In der öffentlichen Debatte über die Energiewende taucht immer wieder ein Begriff auf, der für Stirnrunzeln sorgt: „Phantomstrom“. Kritiker der Wind- und Solarenergie verwenden ihn gern, um angebliche Verschwendung zu beklagen. Doch was steckt wirklich dahinter?
Zunächst das Wichtigste: Phantomstrom ist kein Fachbegriff, sondern ein Schlagwort. Gemeint ist Strom, der nicht eingespeist werden kann, weil es im Netz vorübergehend Engpässe gibt. Wenn etwa Leitungen überlastet sind, werden Wind- oder Solaranlagen kurzzeitig heruntergefahren – sie erzeugen in dieser Zeit also keinen Strom. Trotzdem erhalten die Betreiber eine Entschädigung, weil ihnen laut Gesetz grundsätzlich das Recht auf Einspeisung zusteht.
Warum also wird bezahlt, obwohl kein Strom fließt? Dahinter steckt ein bewusst gestalteter Mechanismus aus der Anfangsphase der Energiewende. Der Gesetzgeber wollte sicherstellen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ins Stocken gerät, auch wenn das Stromnetz an manchen Stellen noch nicht nachgezogen hat.
Erstens gibt die Entschädigungsregelung Investoren Planungssicherheit.
Zweitens motiviert sie Netzbetreiber, Engpässe zügig zu beseitigen.
Die zugrundeliegenden Eingriffe heißen Redispatch: Netzbetreiber steuern täglich, welche Anlagen wie viel Strom einspeisen dürfen, um die Stromflüsse zu stabilisieren. Wird ein Windpark im Norden abgeregelt, kann etwa ein Kraftwerk im Süden mehr produzieren. Auch konventionelle Anlagen erhalten in solchen Fällen Ausgleichszahlungen – das Verfahren ist also technologieunabhängig.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die Kosten sinken deutlich. Laut Bundesnetzagentur betrugen die Entschädigungen für Windenergie
- 2021 rund 800 Millionen Euro,
- 2024 etwa 600 Millionen Euro,
- 2025 werden nur noch 580 Millionen Euro erwartet.
Das entspricht rund 0,4 Cent pro Kilowattstunde – also einem winzigen Anteil an den Stromkosten. Mit dem weiteren Netzausbau und neuen Großbatterien, die Überschüsse zwischenspeichern können, wird der Bedarf an Abregelungen künftig weiter abnehmen.
Fazit: Der oft zitierte „Phantomstrom“ ist kein Zeichen von Ineffizienz, sondern Teil eines Übergangsmechanismus auf dem Weg zu einem modernen, flexiblen Energiesystem. Die Kosten sinken, die Netze wachsen – und die Energiewende schreitet voran.
Quellen:
https://www.next-kraftwerke.de/wissen/einspeisemanagement
https://www.konzept-energie.com/de/einspeisemanagement-3
https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz
https://www.bee-ev.de/service/publikationen-medien/beitrag/stellungnahme-zur-enwg-novelle-juli-2025
https://www.next-kraftwerke.de/wissen/einspeisemanagement
https://www.netztransparenz.de/de-de/Systemdienstleistungen/Betriebsfuehrung/Redispatch
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/batteriespeicher-strom-netzausbau-100.html
https://www.planradar.com/de/grossprojekte-deutschland
https://www.prometheus-recht.de/2020-entschaedigung-einspeisemanagement
https://www.smard.de/page/home/topic-article/444/216636/volumen-und-kosten-gesunken
